Warum die Beratung von Inhaberfamilien besonders anspruchsvoll ist
Die Beratung von Inhaberfamilien zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Beratungswesen. Hier greifen wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Aspekte ebenso ineinander wie familiendynamische, emotionale und oft auch unausgesprochene Erwartungshaltungen. Kein Wunder also, dass der Bedarf an fundierter und professioneller Beratung zu den Themen Nachfolge, Governance und Familienzusammenhalt in Familienunternehmen kontinuierlich steigt.
Wer eignet sich für diese Rolle?
Genau dieser Frage ist Petra Gessner, Chefredakteurin des wir-Magazins, nachgegangen. Sie hat einen Tag lang die Fortbildung zum Inhaberstrategie- und Nachfolge-Berater begleitet und mit drei Teilnehmenden gesprochen. Ihre zentrale Fragestellung: Macht der eigene Hintergrund als Mitglied einer Unternehmerfamilie einen zum besseren Berater?
Die Antworten darauf sind differenziert – was auch gut so ist.
Unternehmerfamilien: Vorteil oder Stolperstein als Hintergrund?
Chancen durch eigene Unternehmererfahrung
Einerseits kann ein eigener familiärer Hintergrund im Unternehmertum ein klarer Vorteil sein, weil man die feinen Zwischentöne, Loyalitätskonflikte, Machtverhältnisse und besonderen Dynamiken kennt.
Risiken von zu großer Nähe
Andererseits betonen andere, dass genau diese Nähe auch zum Problem werden kann. Es bestehe die Gefahr, Projektionen vorzunehmen oder unbewusst die eigene Familienkultur auf andere zu übertragen.
Kompetenz schlägt Herkunft: Worauf es wirklich ankommt
Prof. Dr. Alexander Koeberle-Schmid, Gründer des Instituts für Inhaberstrategie, bringt es auf den Punkt:
„Allein aufgrund der eigenen Erfahrung ist man noch kein guter Berater. Man braucht die richtigen Kompetenzen, breite Erfahrung und tiefes Wissen. Die eigentliche Kunst liegt darin, präzise zu analysieren, was für die jeweilige Familie in ihrer individuellen Situation passend ist – auch jenseits der eigenen Prägung.“
Für wen ist die Fortbildung geeignet?
Genau hier setzt die Fortbildung an. Sie richtet sich an Mediator:innen, Familientherapeut:innen, Coaches, Rechtsanwält:innen, Steuerberater:innen, Unternehmensberater:innen und Family Officer sowie ausdrücklich auch an Mitglieder von Unternehmerfamilien. Ziel ist es, allen Teilnehmenden das notwendige Handwerkszeug mitzugeben, um Inhaberfamilien professionell, bedarfsgerecht und strategisch klug zu begleiten. Unternehmerfamilien sollen qualitativ hochwertige Beratung erhalten.
Der besondere Anspruch für Berater:innen aus Unternehmerfamilien
Für Letztere, also Berater:innen aus Unternehmerfamilien, gilt dabei ein besonderer Anspruch: Sie müssen ihre eigene Rolle reflektieren, den Perspektivwechsel einüben und den „Berater-Hut“ bewusst aufsetzen. Nähe darf nicht zu Verstrickung führen. Erfahrung muss durch methodische Kompetenz ergänzt werden.
Fazit: Brücke zwischen Theorie, Praxis und Empathie
Die Fortbildung zur/zum Inhaberstrategie- und Nachfolge-Berater:in schlägt damit eine wichtige Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Empathie und professioneller Distanz sowie zwischen Erfahrung und Expertise. Denn am Ende zählt nicht, woher jemand kommt, sondern wie gut er oder sie berät.



